Zum Inhalt springen

9 elterliche Einstellungen, die laut Psychologie unglückliche Kinder fördern

Mann und Kind im Wohnzimmer, der Mann zeigt dem Kind ein Handy, der Junge wirkt überrascht und erfreut.

On a tous déjà vécu ce Moment, in dem ein Kind im Supermarkt in Tränen ausbricht, während ein überforderter Elternteil mit einer Stimme, die zu laut ist, um noch ruhig zu wirken, immer wieder sagt: „Hör sofort auf.“

Ringsum wird bewertet, jede*r projiziert die eigene Kindheitsgeschichte. Manche sehen ein „schlecht erzogenes“ Kind. Andere erkennen einen kleinen Menschen, der überreizt ist und noch nicht weiß, wohin mit seinen Gefühlen.

Solche Szenen spielen sich nicht nur zwischen den Regalen ab. Sie wiederholen sich in stillen Kinderzimmern, bei angespannten Familienessen, in gesenkten Blicken in der Pubertät. Psycholog*innen betonen immer wieder: Nicht nur die großen Krisen prägen das Wohlbefinden eines Kindes, sondern auch die alltäglichen, manchmal unsichtbaren Haltungen, die sich mit der Zeit ansammeln.

Neun davon, die in der modernen Psychologie beschrieben werden, tauchen in den Geschichten von Kindern, die erwachsen geworden sind, immer wieder auf. Sie verursachen nicht immer Dramen, aber oft heimlich unglückliche Kindheiten. Manche wirken „normal“. Genau das ist das Beunruhigende.

1. Überkontrolle und als Liebe getarnter Perfektionismus

Das Erste, was in psychologischen Praxen häufig auftaucht, ist dieser Satz: „Meine Eltern wollten doch nur das Beste für mich.“ Dahinter findet sich oft eine Kindheit, die wie ein Schweizer Uhrwerk getaktet war. Zeiten, Aktivitäten, Schulleistungen, Verhalten in der Öffentlichkeit: Alles musste tadellos sein.

Kinder wachsen unter diesem stillen Druck auf. Sie lernen schnell, dass Zuneigung mit guten Noten und dem Lob von Erwachsenen kommt. Dass ein „A“ ein Lächeln wert ist und ein „B“ ein kaltes Schweigen auslösen kann. Überkontrolle sieht aus wie Schutz. Im Erleben des Kindes klingt es wie: „Ich werde nur geliebt, wenn ich leiste.“

Eine Studie der Universität Toronto zeigte, dass Kinder, die von sehr kontrollierenden Eltern erzogen werden, in der Adoleszenz mehr Angst und eine übersteigerte Furcht vor dem Scheitern entwickeln. Das klassische Beispiel: eine Jugendliche, die heimlich wegen einer 16/20 weint, weil sie bereits den enttäuschten Blick ihres Vaters vor Augen hat. Auf dem Papier ist alles gut: gute Noten, Vorbereitungskurs in Aussicht, „engagierte“ Eltern. Hinter den Kulissen wird jede Hausaufgabe zu einer Prüfung des eigenen Werts.

Psychologisch sendet Überkontrolle eine doppelt toxische Botschaft. Einerseits: „Ohne mich kannst du das nicht.“ Andererseits: „Du bist nie ganz gut genug.“ Das Kind lernt nicht, sich selbst zu vertrauen; es lernt zu gehorchen und Urteile zu antizipieren. Selbstwert entsteht nicht aus Anstrengung oder Neugier, sondern aus dem Blick von außen. Langfristig werden diese Kinder oft zu brillanten … und erschöpften Erwachsenen, die immer das nächste Kästchen abhaken, ohne je zu spüren, dass sie anhalten dürfen.

2. Bedingte Liebe und subtiler emotionaler Druck

Eine andere zersetzende Haltung ist subtiler. Sie schreit nicht, sie schlägt nicht, sie lastet. Es ist der Elternteil, der unterbricht, wenn das Kind ein Gefühl ausdrückt, und dann seufzt: „Bei allem, was ich für dich tue …“ oder „Du machst mich traurig, wenn du so bist.“ Liebe wird zu einer Art emotionalem Vertrag, der bei jedem Konflikt neu verhandelt wird.

In der Praxis sieht das so aus: ein Junge, der sagt, dass er keine Lust mehr auf Klavier hat, und hört: „Du enttäuschst mich. Ich dachte, du wärst anders.“ Oder ein kleines Mädchen, das nach einem Streit weint und den ganzen Abend ignoriert wird, „damit sie es versteht“. Sie lernt nicht die Lektion, die man ihr geben will. Sie lernt, dass ein falsches Lächeln besser ist als ein echtes Gefühl.

Psycholog*innen sprechen hier von unsicherer Bindung. Das Kind weiß nie, welcher Version des Elternteils es begegnet. Liebe scheint da … aber fragil, abhängig von seiner Fähigkeit, brav, leistungsstark, angenehm zu sein. Das schafft einen Nährboden für Schuldgefühle und die Angst zu enttäuschen. Im Erwachsenenalter wiederholt sich dieses Muster oft in Liebes- und Arbeitsbeziehungen: „Wenn ich zeige, wer ich wirklich bin, werde ich verlassen.“ Die alte Elternstimme spricht weiter – nur in einer anderen Kulisse.

3. Emotionale Abwertung und „Hör auf zu übertreiben“

Wenn man einen Satz wählen müsste, der das emotionale Vertrauen eines Kindes bricht, wäre es wahrscheinlich: „Ist doch nichts, hör auf mit deinem Theater.“ In dem Moment wirkt es harmlos. Ein aufgeschürftes Knie, ein kaputtes Spielzeug, eine Rangelei. Die erwachsene Person, müde, spielt es herunter, um zu beruhigen. Aber im Kopf des Kindes beginnt etwas zu knirschen.

Ein siebenjähriger Junge wird in der Pause angerempelt. Er kommt nach Hause, erzählt es, die Tränen noch warm. Man antwortet: „Wehr dich doch mal, dafür musst du doch nicht heulen.“ Er verstummt. Ein paar Wochen später erzählt er gar nichts mehr. Nicht weil das Leben sanfter geworden ist. Sondern weil die Botschaft angekommen ist: Seine Gefühle sind störend, übertrieben, unnötig.

Die Entwicklungspsychologie ist eindeutig: Werden die Gefühle eines Kindes regelmäßig geleugnet oder lächerlich gemacht, lernt es, sie zu betäuben oder zu verstecken. Das Problem: Ein Gefühl, das nicht ausgesprochen werden darf, findet oft andere Auswege – Wutausbrüche, psychosomatische Beschwerden, diffuse Angst. Umgekehrt bedeutet Validierung nicht, alles zu erlauben. Es heißt nur, das Gefühl als legitim anzuerkennen. Du darfst dich so fühlen. Das ist der Startpunkt für ein Kind, das innerlich stimmig aufwächst, statt sich „zu viel“ oder „nicht normal“ zu fühlen.

4. Giftige Vergleiche und permanente Konkurrenz

Eltern, die vergleichen, sind nicht zwangsläufig bösartig. Manchmal glauben sie, zu motivieren. „Schau deine Schwester an, sie ist mit den Hausaufgaben fertig.“ „Dein Cousin respektiert seine Eltern.“ Auf dem Gesicht des Kindes liegt ein Schatten. Der Vergleich richtet zu Hause eine stille Hierarchie ein. Es gibt die „Guten“ und die „Weniger Guten“.

Eine Studie mit über 400 Familien in Ostasien, wo Vergleiche kulturell sehr präsent sind, zeigte: Kinder, die häufig mit Geschwistern verglichen werden, entwickeln mehr Scham- und Neidgefühle – selbst wenn Eltern glauben, sie würden „anregen“. So entstehen langanhaltende Rivalitäten: der große Bruder, der mit 30 noch von der „Lieblingsperson“ der Familie spricht, mit einem bitteren Lächeln. Kindheit ist nie ganz vorbei.

Psychologisch zerstört Vergleich eine zentrale Säule: das Gefühl, für die Eltern einzigartig und unersetzlich zu sein. Wenn das Kind regelmäßig hört, dass jemand besser ist, ruhiger, brillanter, verinnerlicht es ein Skript: „Ich bin die misslungene Version.“ Oder umgekehrt wird das „beste“ Kind zum Gefangenen seines Status, gelähmt von der Angst, den Platz auf dem emotionalen Podest zu verlieren. In beiden Fällen wird Familie eher zum Wettkampfplatz als zum Zufluchtsort. Und ein Kind, das sich im eigenen Zuhause nicht sicher fühlt, hat wenig Chancen, dort wirklich glücklich zu sein.

5. Überbehütung und Kindheit unter der Glasglocke

Auf den ersten Blick wirkt ein überprotektiver Elternteil sehr liebevoll. Er antizipiert alles, regelt alles, vermeidet Stürze, Risiken, Tränen. Das Kind fährt nicht allein Bus, klettert nicht zu hoch, bleibt nie ohne Erwachsene, macht keine Dummheiten. Kindheit wird sicher … aber eng.

Klartext: Früher oder später wird die Welt nicht mehr gefiltert. Schulhof, weiterführende Schule, Internet, der erste Job … Wenn das überbehütete Kind schließlich auf die Realität trifft, ist der Schock hart. Psycholog*innen und Forschende sprechen oft von diesen jungen Erwachsenen, die theoretisch viel wissen, aber sich nichts trauen. Angst, zu stören, Angst zu scheitern, Angst, den falschen Bus zu nehmen – buchstäblich.

Studien zu „Hyperparenting“ zeigen einen klaren Zusammenhang mit höherer Angst und Depression im Studium. Wenn man jeden Stein aus dem Weg räumt, nimmt man dem Kind kleine Siege und Mikro-Niederlagen, die es braucht, um Resilienz aufzubauen. Ein Kind, das vom Rutschen fällt und dem man beim Aufstehen hilft, lernt zwei entscheidende Dinge: Der Schmerz geht vorbei, und jemand ist da. Ein Kind, das nie fällt, weiß weder, was es fühlt, noch wie es wieder herauskommt. Echte innere Sicherheit entsteht durch die schrittweise Begegnung mit Risiko – nicht durch völlige Risikofreiheit.

6. Mangel an echter Präsenz in einer von Bildschirmen gesättigten Welt

Eine moderne, oft unterschätzte Haltung spielt sich im bläulichen Spiegel von Smartphones ab. Der Elternteil, der E-Mails beantwortet, während das Kind von seinem Tag erzählt. Die Mutter, die beim Baden scrollt. Der Vater, der nur halb zuhört, das Auge schon bei der nächsten Benachrichtigung. Das Kind merkt alles. Es sieht, wohin die Aufmerksamkeit geht.

Eine Szene aus einem Stadtpark fasst das Problem zusammen. Ein vierjähriges Mädchen rutscht die Rutsche hinunter, dreht sich um, sucht den Blick ihres Vaters. Er ist am Handy. Sie ruft, etwas lauter: „Schau mal!“ Er hebt den Blick für eine halbe Sekunde, würde ihre Leistung fast „liken“, und taucht wieder in den Bildschirm. Nach ein paar Minuten ruft sie nicht mehr. Ihr Körper bewegt sich noch. Ihr Gesicht – ein bisschen weniger.

Forschung zum „Attunement“ (emotionales Mitschwingen) zeigt: Ein Kind baut sich über Mikro-Momente geteilter Aufmerksamkeit auf – ein Blick, ein Lächeln, eine echte Reaktion. Wenn diese Momente ständig durch Digitales zerschnitten werden, entwickelt das Kind oft ein Gefühl von Unsichtbarkeit. Materiell fehlt ihm nichts, aber es fehlt schmerzlich an voller Präsenz. Die gute Nachricht: Das kindliche Gehirn reagiert erstaunlich stark auf ein paar Minuten echter Verbindung. Man muss nicht perfekt sein. Aber manchmal muss das Handy weg – wie eine Tür, die man schließt.

7. Beschämende Disziplin und Erziehung über Scham

Es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen Grenzen setzen und eine Person angreifen. Viele Kinder wachsen mit Sätzen auf, die auch im Erwachsenenalter noch knallen: „Du bist echt dumm.“ „Du machst mich blamabel.“ „Du wirst immer wie dein Onkel sein.“ Disziplin wird zur öffentlichen Bühne – oft vor anderen Erwachsenen oder anderen Kindern.

Ein kleines Mädchen kippt am Tisch ein Glas um. Das Essen erstarrt. Der Elternteil sagt genervt: „Du bist wirklich tollpatschig, schau deine Schwester an, die passt wenigstens auf.“ Alle lachen leise, verlegen. Sie schaut auf ihre Knie. Nicht das verschüttete Wasser bleibt, sondern das Brennen, bloßgestellt und herabgesetzt worden zu sein.

Die Sozialpsychologie zeigt: Scham ist eine der zersetzendsten Emotionen. Sie sagt nicht „Du hast etwas falsch gemacht“, sie sagt „Du bist falsch“. Ein Kind, das regelmäßig gedemütigt wird, lernt zu verstecken, zu lügen, sich durch Flucht oder Angriff zu schützen. Disziplin, die das Kind respektiert, richtet sich dagegen auf das Verhalten: „Was du gemacht hast, ist ein Problem – und zwar deshalb.“ Der Wert der Person bleibt intakt. Eine Nuance, die alles verändert: Sie hilft, ein Kind aufzubauen, das sich hinterfragen kann, ohne sich zu hassen.

8. Emotionale Gleichgültigkeit in eigentlich „ordentlichen“ Haushalten

Es gibt saubere, aufgeräumte Wohnungen, mit guten Mahlzeiten und unterschriebenen Heften, in denen Kinder sich furchtbar allein fühlen. Niemand schreit. Niemand schlägt. Man spricht über Hausaufgaben, Regeln, manchmal über Nachrichten. Man spricht nicht darüber, was im Herzen passiert. Emotionale Gleichgültigkeit macht keinen Lärm.

Ein Jugendlicher sagt einmal zu seiner Psychologin: „Meine Eltern haben mir nie gefehlt … selbst wenn ich weit weg war. Es ist, als wären sie immer ein bisschen abwesend – sogar wenn sie neben mir sitzen.“ Es gab kein Drama, keinen großen Streit. Nur einen chronischen Mangel an Fragen wie: „Wie fühlst du dich wirklich?“ oder „Was belastet dich gerade?“

Forschende sprechen in solchen Fällen von „emotionaler Vernachlässigung“. Nach außen wirkt alles stabil. Innen wächst das Kind mit einer Leere auf, die schwer zu benennen ist. Es lernt, nicht zur Last zu fallen, nicht zu klagen, „pflegeleicht“ zu sein. Später haben diese Erwachsenen oft Schwierigkeiten, ihre Bedürfnisse, Grenzen, Wünsche zu erkennen. Sie haben früh gelernt, dass niemand sie wirklich innerlich abholt. Ein stiller Nährboden für Unwohlsein.

9. Eltern, die niemals akzeptieren, im Unrecht zu sein

Die letzte Haltung – und nicht die unwichtigste: der unfehlbare Elternteil. Derjenige, der sich nie entschuldigt, selbst wenn er schreit, selbst wenn er über Grenzen geht. Bei jeder Spannung liegt die Schuld beim Kind: seiner Frechheit, seinem Charakter, seinem mangelnden Respekt. Der Erwachsene irrt nicht – er „erzieht“.

Eine typische Szene: Ein Vater regt sich auf, brüllt wegen einer Kleinigkeit, bestraft zu hart. Abends schaut man fern. Niemand spricht darüber. Höchstens ist der Ton etwas weicher. Das Kind versteht: Schwere Dinge werden nicht in Worte gefasst. Es gibt weder Anerkennung noch Wiedergutmachung. Der Erwachsene steigt nie vom Podest.

Studien zu sogenannten „autoritären“ Familien zeigen: Diese Kinder werden später oft entweder sehr unterwürfig oder sehr rebellisch. In beiden Fällen fehlt etwas: ein erwachsenes Vorbild, das sagen kann: „Da habe ich falsch reagiert, es tut mir leid.“ Wenn ein Elternteil Fehler eingesteht, verliert er nicht an Autorität – er gewinnt an Glaubwürdigkeit. Er zeigt, dass man stark und unperfekt, liebevoll und fehlbar sein kann. Für ein Kind ist das eine wertvolle Lektion in Menschlichkeit und ein starkes Gegengift gegen chronische Scham.

Wie man die Richtung ändert, ohne in Schuld zu ertrinken

Moderne Psychologie ist nutzlos, wenn sie Eltern keine Handlungsmacht zurückgibt. Es geht nicht darum, ein Tribunal über die Kindheit zu eröffnen, sondern Türen zu öffnen. Eine einfache Methode: nur eine einzige Haltung auswählen, die man überdenken will – nicht alle neun auf einmal. Zum Beispiel: einmal am Tag ein Gefühl validieren statt es kleinzureden. Nur eins.

Konkret heißt das: „Du weinst, weil deine Zeichnung misslungen ist – du bist enttäuscht, oder?“ Auch wenn es uns als Erwachsene unverhältnismäßig erscheint. Diese minimale Validierung schafft einen Spalt. Nach und nach versteht das Kind, dass das, was es fühlt, gefahrlos in Worte gefasst werden kann. Es ist eine Mikro-Gewohnheit, keine Erziehungsrevolution.

Eine andere starke Geste: sich abends fünf Minuten lang ruhig zu fragen, ohne sich zu verurteilen: „Wann war ich heute wirklich präsent für mein Kind?“ Wenn die Antwort „null“ lautet, nicht geißeln. Lieber sagen: „Morgen will ich mindestens einen Moment.“ Ein Blick, ein gemeinsames Lachen, eine stille Umarmung. Ehrlich: Niemand schafft das wirklich jeden Tag. Wichtig ist die Richtung, nicht Perfektion.

Konkrete Ansätze für glücklichere Bindungen

Um das Erbe dieser neun Haltungen zu erleichtern, kann ein simples Werkzeug die Stimmung zu Hause verändern: der „emotionale Check-in“. Einmal pro Woche – am Tisch oder im Auto – teilt jede*r einen Moment, in dem er/sie sich gut gefühlt hat, und einen Moment, in dem er/sie sich schlecht gefühlt hat, in den letzten Tagen. Ohne Debatte, ohne Korrektur. Einfach zuhören.

Viele Eltern fürchten, solche Räume zu öffnen: Angst, überrollt zu werden, Angst vor Vorwürfen. Doch die Forschung zeigt: Familien, die regelmäßig über Gefühle sprechen, fördern bei ihren Kindern mehr Empathie und Selbstvertrauen. Erziehungsfehler verschwinden nicht, aber sie sind keine Tabus mehr. Sie werden besprechbar – veränderbar.

„Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sie brauchen Eltern, die sich selbst hinterfragen können“, fasst es ein klinischer Psychologe oft zusammen.

Ein paar kleine Orientierungspunkte können im Alltag helfen:

  • Mindestens eine persönliche Abwertung durch eine Verhaltensbeschreibung ersetzen.
  • Jeden Tag einen Moment Aufmerksamkeit ohne Bildschirm schenken, auch wenn er sehr kurz ist.
  • „Es tut mir leid“ sagen, wenn man über die Stränge schlägt.

Das sind keine Wunderrezepte. Es sind Mikro-Anpassungen, die – wiederholt – am Ende schwerer wiegen als alte Reflexe.

Die Geschichte wieder öffnen, solange es noch Zeit ist

Die meisten Eltern, die diese Zeilen lesen, spüren Erinnerungen hochkommen – manchmal schuldvolle: ein zu schneller Vergleich, ein weggewischtes Gefühl, ein Blick zum Bildschirm im falschen Moment. Die moderne Psychologie hat etwas Beruhigendes zu sagen: Kinder verlangen keine perfekte Kindheit; sie hoffen vor allem auf eine Geschichte, die sich weiterentwickeln darf.

Mit einem Kind – auch wenn es schon in der Pubertät ist – über eigene Reue, über eigene Verletzungen aus der Kindheit zu sprechen, verändert das Drehbuch. Man wechselt von einer vertikalen Beziehung zu einer menschlicheren, in der jede*r lernen darf. Manchmal öffnet ein einziger Satz eine ganze Welt: „Weißt du, es gibt Dinge, die ich getan oder gesagt habe, die ich heute anders machen würde. Du kannst mit mir darüber sprechen – auch wenn es lange her ist.“

Die neun Haltungen, die die Psychologie beschreibt, sind keine endgültigen Urteile. Sie sind wie Schilder, die warnen: „Achtung, dieser Weg führt oft zu Kindern, die außen lächeln und innen die Zähne zusammenbeißen.“ Sie zu sehen heißt schon, den Ausstieg zu beginnen. Der Rest passiert in kleinen Gesten: ein Blick, der länger bleibt, eine geflüsterte Entschuldigung, eine Hand auf einer Schulter im richtigen Moment. Wissenschaft erhellt. Mut lebt man – in der Küche, im Auto, im Schlafzimmer, an einem gewöhnlichen Abend.

Kernpunkt Detail Nutzen für Leser*innen
Überkontrolle und bedingte Liebe Leistungsdruck, Zuneigung an Ergebnisse geknüpft Verstehen, warum ein ängstliches Kind Angst vor Enttäuschung hat
Emotionale Abwertung und Gleichgültigkeit Gefühle werden klein geredet, echtes Zuhören fehlt Quellen eines stillen Unwohlseins erkennen
Beschämende Disziplin und fehlende Entschuldigungen Demütigung, Eltern nie im Unrecht Alternativen finden, um Grenzen zu setzen, ohne den Selbstwert zu zerstören

FAQ

  • Woran merke ich, ob mein Kind heimlich unglücklich ist? Achte weniger auf das, was es sagt, als auf das, was sich wiederholt: plötzlicher Rückzug, Schlafprobleme, weniger Begeisterung, ein allgemeines „Ist mir egal“. Das sind oft verlässlichere Signale als Worte.
  • Ist es zu spät, etwas zu reparieren, wenn mein Kind schon ein Teenager ist? Nein. Teenager testen – aber sie hören zu. Eigene Fehler zu benennen und vorzuschlagen, auf neuer Basis weiterzumachen, selbst wenn es unbeholfen ist, wirkt oft stärker, als man denkt.
  • Brauche ich eine Therapeutin/einen Therapeuten, um meinen Erziehungsstil zu verändern? Nicht unbedingt. Ein Buch, eine Gesprächsgruppe, ein paar ehrliche Gespräche mit dem anderen Elternteil können schon viel verändern. Therapeutische Hilfe ist vor allem sinnvoll, wenn dieselben Konflikte in Schleifen wiederkehren.
  • Kann eine einzelne „schlechte“ Haltung das Glück meines Kindes ruinieren? Die Psychologie spricht von Tendenzen, nicht von Schicksal. Was belastet, ist Wiederholung und fehlende Wiedergutmachung. Ein Elternteil, der sich irrt und dann wieder auf das Kind zugeht, verändert die Lage grundlegend.
  • Wie oft sollte ich mit meinem Kind über Gefühle sprechen? Oft, aber kurz. Ein paar regelmäßige Minuten sind besser als ein großes Gespräch alle sechs Monate. Eine ehrliche Frage im Auto kann reichen, um eine Tür zu öffnen.

Kommentare (0)

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen